Auf die Fürbitten zum hl. Gangolf und das gesegnete Wasser bei der St. Gangolfskapelle wird seit Jahrhunderten über eine größere Anzahl von Heilungen kranker Menschen und Tieren berichtet, welche teilweise von Neudenauer Geistlichen aufgezeichnet worden sind. In der frühen Neuzeit haben uns der Pfarrverweser Johann  Mayr (1667-1674) sowie der Stadtpfarrer und Dekan Johann Peter Dörfeller  (1754-1775) schriftliche Aufzeichnungen von "Wunder"-Heilungen hinterlassen, von denen in einer kleinen Auswahl berichtet werden soll...

 

Johann Mayr berichtet:

1. Ist von Billigheim ein Kind anhero getragen worden, so großen Mangel an Augen gehabt und Gefahr gewesen, es möchte gar erblinden. Nachdem solliches Kind aber mit dem Wasser aus dem Brunnen der Kapellen des hl. Gangolfi öfters gewaschen worden, hat das Kindt das Licht seiner Augen wiederumb völlig bikhommen. 

2. Anno 1672 hat Hans Volkh, Müller zu Kocherthürn an Aidesstatt ausgesagt wie daß er einen an Füßen schadhaften Gaul oder Pferd gehabt, deme er unterschiedliche Mittel gebraucht, so aber nit wollten anschlagen. Habe ihn also entlich zu der Gangolfskhürch herüber geführt, welches sein Pferdt so hart ankommen, daß er vermeint, sein Pferdt könne nit gar herüber gehn. Nachdem es aber zu St. Gangolf kommen, mit dessen Wasser abgewaschen worden, habe sein Gaul gleich hinüber nach Kocherthürn besser gehen können, sei entlich völlig wiederumb gerecht [gesund] worden.

 

Aus den Aufzeichnungen von Johann Peter Dörfeller:

3. 1754 war zu Dechmar [Degmarn] ein blindteß Kindt, welches die Eltern dreimal in die hiesige St. Gangolfs Kapellen zu tragen verlobten. Da sie dies Gelübt erfüllt hatten und zum drittenmahl dem Kindt mit dasigem [dortigem] Wasser  die Augen gewaschen hatten, wurde das Kindt sehend. Der Name des Vaters ist Sebastian Straub und seines Töchterleins Margaretha.

2. 1771 hat Johannes Valentin Müller zu Oeden [Oedheim] ein Söhnlein mit gleichem Namen Joannes Valletins. Dieses Kind hatte eine Rupturam [Bruch]. Die Mutter thate das Gelöbnis, zu St. Gangolf eine hl. Meß lesen zu lassen, eine Kerze zu opfern und das Kind neunmal nacher St. Gangolfi-Kirche zu tragen. Facto voto [nachdem das geschehen war] ist das Kind gesund von der Ruptura befreyet worden.

4. 1773 den 18ten Julii erschien dahier Joannes Casparus Emer, zu Orb im Spessarth gebürtig, und zeigte an, daß er Zeit mehr als ein halbes Jahr wegen einem gichterischem Wesen an einer Krücken habe gehen müssen. Er habe sich verlobet [versprochen], barfüssig an den Krücken nacher St. Gangolf zu gehen. Heut hab er zu Untergriesen [Untergriesheim], allwo alwo er sich zeithero aufgehalten, nach gehörter hl. Meß sich mit seinen Krücken nacher St. Gangolf gemacht. Er seye daselbst gerad worden, habe seine Krücken dort stehen lassen und seye gerad abgegangen. 

 

Von Stadtpfarrer und Dekan Richard Aichele (von 1922 bis 1927 in Neudenau) sind aus dem Jahr 1923 folgende berichte überliefert:

Witwe R. M. von Neudenau litt mehrere Wochen an einem sehr schmerzlichen Leiden an beiden Füßen. Sie konnte nicht mehr gehen und nicht mehr schlafen. Die ärztliche Hilfe und die angewandten Mittel waren vergebens. In ihrem Elend nahm sie daher ihre Zuflucht zum hl. Gangolf, ließ ihm zu Ehren eine hl. Messe lesen und trank vom Wasser der Gangolfkapelle. Sofort wurde ihr Zustand besser und nach acht Tagen war sie vollständig gesund und konnte wieder alle Arbeiten verrichten.

6. Frau L. D. gibt an, dass sie ebenfalls ein böses Fußleiden hatte. Die Krankenschwester sagt darüber, daß der ganze linke Fuß hochaufgeschwollen war und man um das Leben der Frau fürchten mußte. Sie nahm ihre Zuflucht zum hl. Gangolf und alsbald brach die Geschwulst auf und in zwei Tagen war das Fußleiden verschwunden und die Frau vollständig geheilt.