St. Gangolfsquelle

am "Losberg"

Die heutige St. Gangolfs- K a p e l l e  war einstmals die  P f a r r i r c h e  des Ortes Deitingen. Das Dorf selbst ist wahrscheinlich im 16. Jahrhundert wüst gefallen. Von Deitin- gen haben nur die Kirche bzw. spätere Kapelle sowie das Haus des Mesners die Jahrhun- derte überstanden.

 

Das Langhaus ist in der Zeit der Hochgotik entstanden, während der Turm der aus- gehenden Romanik zuzurechnen ist. Nach dendrochronologischen Untersuchungen des Letzteren vor wenigen Jahren kann man mit großer Sicherheit annehmen, dass dieser seinen Ursprung im 2. Jahrzehnt des 13. Jahrhunderts hat. Ebenfalls spätromanischen Ursprungs ist wohl auch der Chor. 

Ein allein stehender Turm und ein davon getrennter Chor in der spätromanischen Zeit macht natürlich keinen Sinn. Dass jedoch zu jener Zeit ein wohl auch romanisches Lang- haus vorhanden war, zeigen zwei niedrigere Dachansätze an Chor und Turm, die alledings heute von der höheren und breiteren Bedachung des Kirchenschiffes verdeckt sind.        

 

Die Ausstattung der St. Gangolfskapelle wird u. a. von verschiedenen Stilrichtungen ge- prägt. Die Wände und die Decke des Chors mit Kreuzrippengewölbe zieren hoch- bzw- spätmittelalterliche Fresken, die beispielsweise als Allegorien wie Sündenfall und Erlö- sung, Erzengel und Höllenfeuer darstellen. Diese Malerei wurde 1960/61 ebenso restaur- iert wie das Retabel des  Hochaltars sowie die Heiligenstatuen u.a.m. Zwischen 1410 und 1420 wurde die Terracotta-Apostelgruppe an der linken Chorwand gefertigt, die damit der Spätgotik zuzurechnen sind.

 

Die Kapelle und der sie umgebende, seit langer Zeit aufgelassene Friedhof, waren vollstän- dig von einer Natursteinmauer umfasst, welche Ende der 1940er Jahre auf der Südseite durchbrochen wurde, um bei den alljährlichen St. Gangolfsprozessionen der größer wer- denden Gläubigenschar mehr Platz auf der vorgelagerten Wiese bieten zu könnnen.   Oberhalb der Stufen wird dann ein Altar für die Messfeier errichtet.

 

Die Verehrung des hl. Gangolfus begann in größerem Maße schon am Ende des 8. Jahrhunderts und wurde vor allem von den Benediktinern gepflegt. Dieser von Kaiser Karl d. Großen geförderte Orden erbaute die ersten dem heiligen Gangolf geweihten Kirchen und Kapellen. Kaiser Karl war auch Herrscher von Burgund wo der Heilige lebte und starb, d. h. von einem Nebenbuhler ermordet wurde, nachdem er im Heer von König Pippin, Karls Vater, gedient hatte.

Die Attribute des hl. Gangolf sind  S c h w e r t - ein Symbol dafür, dass er ein Kriegsmann war - und ein Stab, mit dem er in einem trockenen Sommer eine Wasserquelle hat aus dem Boden sprudeln lassen. Die meisten der dem hl. Gangolf geweihten und früh erbauten Got- teshäuser wurden deshalb an oder in der Nähe von Quellen errichtet (s. auch Legende).                                                                                               

Die Neudenauer Gangolfsquelle (Foto s.o.) entspringt etwa hundert Schritte von der Kapelle entfernt. Sie ist gefasst und wird durch Röhren zu den beiden Wasserste- llen neben der Kapelle geleitet.